Zutaten für eine gelingende Therapie
Immer wieder lese ich es bei Facebook oder Instagram: “Ich war bei der Therapie und es hat nichts gebracht.” Als Therapeutin fühle ich mich bei solchen Aussagen betroffen. Zum einen BIN ich betroffen, weil ich ja einer von den Menschen bin, zu denen Hilfesuchende kommen. Zum anderen FÜHLE ich mich betroffen davon, wie hoffnungslos sich Menschen fühlen müssen, die Hilfe suchen, sich auf den Weg machen und dann keine Perspektive, keine Hoffnung, keinen Aufwind erleben.
Deshalb möchte ich heute nochmal erklären, was es braucht, damit die Therapie wirkt. Aus meiner Sicht braucht es genau 4 Zutaten:
Für die erste Zutat bist Du verantwortlich:
1. Du beschließt, dir Hilfe zu suchen!
Du suchst einen Weg, lässt nicht nach, suchst dir eine Therapeutin, die du sympathisch findest, der Du vertrauen kannst und bei der Du das Gefühl hast, dass sie kompetent ist. Und dann gehst Du hin.
Die nächsten zwei Zutaten muss ich als Therapeutin liefern:
2. Wissen und Erfahrung
Ich habe Fachwissen sowohl spezifisch zu deinem Problem als auch allgemein über Stabilisierung, Gesundungsprozesse, Lebensstufen, Therapieformen usw.
3. Individueller Therapieplan
Ich bin flexibel genug, um genau für Dich und mit Dir zusammen herauszufinden, was Du brauchst, was Deine Sorgen und Ängste sind. Ich mache keine Therapie von der Stange oder nach irgendwelchen Rastern sondern genau für Dich.
Die vierte Zutat klingt vielleicht banal, ist aber eine der wichtigsten Wirkfaktoren von Psychotherapie. Das wurde in vielen Forschungsergebnissen nachgewiesen und wir sind beide dafür zuständig:
4. Die persönliche Bindung
Ich begegne Dir empathisch, wertfrei und echt. Dabei bin ich Dir als Mensch ein echtes Gegenüber. Meine Rolle als Therapeutin bedeutet für mich, dass ich mit Dir in Verbindung gehe. Ich bewerte dein Leben und deine Entscheidungen nicht. Für Dich bedeutet das, dass Du Dich bei mir sicher, aufgehoben und akzeptiert fühlen kannst. Du darfst Dinge aussprechen, schwach sein und dich selber neu erfinden. Und diese Bindung zuzulassen ist auch Deine Aufgabe.
Ob eine Therapie wirkt oder nicht, ist also kein Zufall, sondern abhängig von klar zu benennenden Zutaten. Wenn Du also eine Therapie suchst, lerne die Therapeutin bei einem Erstgespräch und dann den anschließenden probatorischen Sitzungen kennen und entscheide dann, ob Du Deine Zutaten besteuern magst und ob Du ihr zutraust, ihre Zutaten ebenso mit einzubringen. Hör auf Dein Gefühl, denn genau um Deine Gefühle geht es hier! Dann sind die Chancen gut, dass Du wirklich von der Therapie profitieren kannst und irgendwann sagen kannst: "Ich war bei der Therapie - und es hat mir so sehr geholfen!”